728 x 90

Neuer Blick auf damals

Neuer Blick auf damals

Ludwigsburg. Die neue Ausstellung im Ludwigsburg Museum befasst sich mit dem
„Puppenkosmos“ Tony Schumacher. Und man kann mit der Vergangenheit telefonieren.

Man lebt nach vorne, aber verstehen kann man vieles erst beim Blick zurück. Dabei helfen nun zwei neue Angebote im Ludwigsburg Museum: Ab Sonntag, 6. Juli, gibt es dort einen Einblick in den Puppenkosmos der Kinderbuchautorin Toni Schumacher (1848-1931). „Geliebt – geraubt“ wirft dabei auch einen Blick auf die koloniale Vergangenheit der westlichen Welt. Außerdem kann man seit diesem Samstag mit unterschiedlichen Epochen der Vergangenheit telefonieren – Künstliche Intelligenz (KI) macht es möglich.
“Im Kleinsten zeigt sich die ganze Welt! Mit diesen Worten hat Tony Schumacher Ende des 19. Jahrhunderts ihre kostbare und vielfältige Puppensammlung beschrieben. Über Jahrzehnte hinweg hatte sie Puppen nicht nur aus den verschiedensten Gebieten Deutschlands zusammengetragen, sondern sie sich auch aus Übersee bringen lassen, auch aus Ozeanien, Nordamerika und Westafrika.
Tony Schumacher begann erst im Alter von 40 Jahren zu schreiben – vielfach inspiriert von ihren Puppen. Sie war Autorin von mehr als 40 Kinderbüchern, die bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts viel gelesen wurden. Ihre Werke sind betont pädagogisch, sollten zur Entwicklung des Pflichtgefühls, religiösen Verhaltens und der Nächstenliebe beitragen.
Heute belegen Schumachers Puppen aber auch, dass in Ludwigsburg ein Stück Kolonialgeschichte verborgen liegt – die in Lederanoraks gekleideten Holzschnitzereien aus Labrador wie die Ahnenfigur der Iatmul von Papua-Neuguinea: zeugen von dem europäischen Versuch, in der Welt das Sagen zu haben. Die Ausstellung wirft einen kritischen Blick auf Schumachers Sammeleifer und verfolgt die Wege der Puppen nach Ludwigsburg.

Mit damals telefonieren
Außerdem ermöglicht das Ludwigsburg Museum nun Telefonate mit der Vergangenheit: Der intelligente Fernsprecher macht Künstliche Intelligenz erlebbar und regt zur Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten neuer Technologien an. Er besteht aus einem alten Telefon mit Wählscheibe, mit cem man fiktive Personen aus den Jahren 1900, 1924, 1950, 1970 oder 2002 anrufen kann. Allerdings spricht man mit einer künstlichen Intelligenz, die man nun alles fragen kann, was man schon immer wissen wollte: vom Alltagsleben über die politische Situation, von der damals aktuellen Musik bis hin zu Frühstücksritualen oder Erlebnissen aus Kindheit und Jugend.
Die „Personen“, mit denen man spricht, haben so also nie gelebt. Auch die Fotos dieser Personen – um das Telefon herum angeordnet – wurden von einer KI erzeugt. Und doch berichtet sie als Person aus dem Leben von Menschen in der Zeit, in der sie fiktiv gelebt haben.
Mit dem intelligenten Fernsprecher möchte die Landesanstalt für Kommunikation Baden- Württemberg (LFK) Künstliche Intelligenz erlebbar machen und dazu anregen, sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Info:
Die Ausstellungen im Ludwigsburg Museum im MIK, Eberhardstraße 1, sind jeweils dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Weitere
Infos: www.ludwigsburgmuseum.de

Neueste Beiträge

Meist gelesen